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Natürliche Familienplanung/ Verhütung

Seit meinem 15. Lebensjahr habe ich mit der Minipille verhütet. Bis ich 21 war, interessierten mich andere Verhütungsmethoden, geschweige denn hormonfreie Verhütungsmethoden wenig.

Als ich dann von mehreren Freundinnen und Kolleginnen hörte, wie kompliziert es ihnen die Nachwirkungen der Pille machten Kinder zu bekommen, wurde ich hellhörig. Ich fragte mich zum ersten Mal ob diese kleine "Wunder-Tablette", die mir meine Frauenärztin am Anfang meiner Pubertät verschrieb weniger Wunder bewirkte als sie versprach.



Klar, die Vorteile lagen auf der Hand: scheinbar hohe Verhütungssicherheit, einfache Einnahme, weniger Regelschmerzen, reinere Haut und größere Brüste.

Ich kann mich noch erinnern, dass meine damalige Frauenärztin die Pille wie ein Lifestyle Produkt anpries (Pille inklusive schönem Anleitungsheft in pink, einem schicken Zykluskalender und einer Aufbewahrungsbox mit einem Schmetterlingsaufkleber) . Da ich mit 15 wie wahrscheinlich 80% der Pubertierenden Unsicherheit durch unreine Haut, kleine Brüste und vermehrten Haarwuchs hatte, war die Pille mein Allheilmittel. Ich zögerte keine Sekunde sie verschreiben zu lassen.

Nun gibt es manche Frauen, die irgendwann nicht mehr mit ihrer Pille zufrieden waren, eine andere Dosierung bekamen oder auf ein anderes Pillenpräparat umsteigen mussten, weil das ursprüngliche nicht mehr existierte und dadurch viel Ärger mit ihrer Zyklusregelmäßigkeit hatten.

Ich selbst hatte vom 15. bis zum 21. Lebensjahr durchweg die "Madinette" genommen und damit zunächst mal wenig Probleme. Diese Minipille war ein sogenanntes 1-Monatspräparat und somit musste ich in einer Zykluslänge von durchschnittlich 28 Tagen an 21 Tagen eine Pille einnehmen. Die restlichen 7 Tage waren die pillenfreien Tage an denen die "Abbruchblutung" erfolgte. Hört sich alles ziemlich einfach an, dachten sich auch die meisten meiner Freundinnen und waren genauso begeistert wie ich endlich so reif zu sein um die Pille zu nehmen.

Welchen Schaden die Pille meinem und dem Körper meiner Freundinnen zufügte war uns ziemlich egal. Ich glaube ich las mir den Beipackzettel insofern nur durch, wenn ich unsicher bei Einnahmefehlern war aber verschwendete nie einen Blick auf die möglichen Nebenwirkungen.

Im Nachhinein betrachte ich mein früheres Ich tatsächlich als zu naiv aber auch zu unaufgeklärt.

Ich bin enttäuscht von meiner Mutter und meiner Frauenärztin, dass sie früher nicht mehr auf Alternativen zur hormonellen Verhütung eingegangen sind. Ich bin sauer, dass Kinder, die noch nicht mal die pubertären Änderungen in ihrem Körper vollständig erfassen und noch keine körperlich abgeschlossene Reife erzielt haben ein solches Medikament mit einer Selbstverständlichkeit und Marketing-Strategie verschrieben bekommen.

Ich selbst hatte gerade seit einem halben Jahr meine Periode, als ich die Pille anfing einzunehmen- in einer Zeit in der sich mein ganzer Körper schon im Alleingang hormonell überschlug!


Die "Wunderpille" machte mir an sich wenig Probleme. Ich hatte wenig bis gar keine Periodenschmerzen und dementsprechend wenig Blut- und Eisenverlust und keine Kreislaufbeschwerden. Selbst beim Sport, störte mich meine Blutung wenig, im Gegensatz zu meinen Schulfreundinnen. Der Punkt an dem ich mich zum Umdenken bezwang, war als ich bestimmt zum 12. Mal in meinem kurzen Leben die "Pille danach" einnahm und im Krankenhaus auf den Schwangerschaftstest an einem Wochenende wartete. Ja ich nahm die "Pille danach" ziemlich oft und ich kann heute beruhigt sagen 12 von 12 Mal hätte ich mir die Einnahme sparen können!

Letztlich war ich mir zu oft zu unsicher und wollte auf Nummer sicher gehen. Und im Folgenden war das immer die "Pille danach" für mich. Ob ich am Tag etwas falsches gegessen oder zu viel Alkohol getrunken hatte und dadurch am darauffolgenden Tag dünnen Stuhlgang hatte; ob ich mir nicht sicher war die Pille im 12h Zeitfenster eingenommen zu haben (dass ich immer sehr genau nahm, ich stellte mir jeden Morgen den Wecker auf 05.45 Uhr) oder ob ich die Pille vergessen hatte, jedes Mal wollte ich auf Nummer sicher gehen. Für eine Schwangerschaft in Schul- und Studienzeit war ich einfach nicht bereit und reif genug.

Dass ich damals meinem Körper bereits schadete, merkte ich natürlich durch die darauffolgenden Zyklusschwankungen. Noch schlimmer war es bei einigen meiner Freundinnen, die das 3 Monats-Präparat einnahmen.


Was passiert denn nun im Körper der Frau wenn sie die Pille einnimmt?

Zunächst einmal wird je nach Präparat eine bestimmte Dosis an Östrogen und/oder Gestagen zugeführt. Dies sind Hormone die jede Frau in einer bestimmten Anzahl in sich trägt. Die Anzahl dieser vergrößert sich lediglich bei einer Schwangerschaft zur Reifung der Eizelle und dem Schutz vor einer erneuten Eireifung indem mehr Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird.

Diesen Effekt macht sich also kurzum die Pille zu Nutze. Sie erzeugt eine Scheinschwangerschaft, bei 1 Monatspräparaten 21 Tage lang, bei 3 Monatspräparaten 63 Tage lang.


Völlig mindblowing war der Fakt für mich, als ich ihn das erste Mal las. Ich dachte die Pille verhindert den Zustand einer Schwangerschaft, aber nicht, dass sie meinem Körper eine solche sogar "vorspielt".

Dann belies ich mich mehr und mehr, schaute Videos zum Bayer Konzern und fand irgendwann auch die "schwarze Liste" zu Pillenpräparaten, die ein erhöhtes Thromboserisiko aufweisen (auf dem auch meine Pille aufgeführt war). Ich kaufte mir das Buch "mypillstory" von Christian Maas und als ich es ausgelesen hatte, entschied ich mich die Pille schnellstmöglich abzusetzen.


So unbeschwert wie ich mich vormals mit der Pille fühlte, bemerkte ich schnell wie die hormonelle Zusatz-Wirkung endete und ich mich körperlich sowie psychisch veränderte. Mit großer Erleichterung stellte ich fest, dass meine "Streuselkuchen-Haut" aus meiner Pubertät nicht zurück kam. Dazu empfand nicht nur ich sondern auch mein Freund meine Stimmung ausgeglichener. Ich hatte weniger Heulkrämpfe, weniger Kopf-und weniger Gliederschmerzen. Meine Libido steigerte sich und ich war allgemein präsenter. Viele Frauen beschreiben die Wirkung der Pille wie einen unsichtbaren Schleier, der sie umgibt und dafür sorgt, dass sie teilweise unbewusster wahrnehmen. Dieser Beschreibung kann ich zu 100% zustimmen, jedoch bemerkte ich es erst nachdem ich die Pille nicht mehr einnahm.


Ich selbst bin glücklich darüber, dass sich mein Zyklus nach ca. 3 Monaten bereits wieder eingepegelt hatte und ich keine negativen Auswirkungen nach dem Absetzen wie Haarausfall, Akne oder 1 Jahr lang anhaltender oder ausbleibender Blutung erfahren musste.


Das Pille-Absetzen war logischerweise ziemlich einfach und schnell gemacht. Eine andere Verhütungs-Alternative zu finden fiel mir jedoch sehr schwer. Ich war hin und her gerissen.

Im ersten Moment dachte ich der Nuva-Ring wäre für mich am unkompliziertesten, doch über diesen lies ich wirklich eine Menge schlechter Erfahrungsberichte. Das Hormonstäbchen kam für mich auch nicht in Frage weil ich zu der Zeit 5mal in der Woche Handball spielte und die Gefahr zu groß war, dass das Stäbchen bei dem körperkontaktorientierten Sport verrutschte. Auch eine Hormonspirale kam wie die beiden Vorgänger nicht in Frage wegen der hormonellen Wirkung. Auch wenn die Wirkung als lokal beschrieben wird, wollte ich meinen Körper nicht länger zusätzlich durch Hormone strapazieren.

Blieben noch als Alternativen Kuperspirale bzw. Kupferball oder die symptothermale Methode.

Da ich zum Zeitpunkt des Pille-Absetzens 21 Jahre alt war und eine Kupferspirale häufig für den Zeitraum von 5 Jahren eingesetzt wird, war auch diese Verhütungsmethode wenig realistisch für mich, denn ich wollte vor 26 Mama werden. Mal abgesehen davon, dass mich auch hier die Negativ-Erfahrungsberichte vom schmerzhaften Einsetzen bis zum Ausschaben der Gebärmutter beim Entfernen der Spirale um den Verstand brachten.

Per Ausschlussprinzip blieb mir also nur noch die symptothermale Methode. Zu Beginn war dies die Methode, die ich am wenigsten favorisierte, da sie bedeutete mehr Zeit in sich und die Körperabläufe zu investieren und das Ganze auch noch zu dokumentieren. Ich stellte es mir schwierig, kompliziert und zeitraubend vor, jedes meiner Körpersymptome täglich aufzuschreiben und dazu auch noch meine Körpertemperatur zu messen. Weil mir aber nichts anderes übrig blieb außer russisch Roulette mit dem Kondom, bestellte ich mir ein Buch von "NFP"(kurz für: Natürliche Familienplanung). Ich lies mich ein und füllte mein erstes Zyklusblatt aus.

NFP nutzt die symptothermale Methode sowohl als Mittel der Verhütung als auch der Familienplanung. Wie das funktioniert?

Die Frau beobachtet ihren Körper mit dem speziellen Augenmerk auf Brust- und/oder Unterleibsschmerz, Muttermundstellung, Zervixschleimentwicklung, Blutung und Basaltemperatur. Letzteres ist die Temperatur, die zumeist vaginal in Ruhe nach min. 5h Schlaf gemessen werden soll. Die Basaltemperatur wird mit einem speziellen Basalthermometer (mit 2 Nachkommastellen) gemessen und variiert im Verlauf des Zyklus entsprechend der Fruchtbarkeitsphasen. Das heißt es entsteht eine Temperaturkurve mit Unterschied zwischen Zyklusbeginn (1. Tag der Blutung) und Zyklusmitte(Eisprung).

Durch die Symptomatik des Körpers und die tägliche Aufzeichnung der Basaltemperatur kann eine sichere Einschätzung zur Un-/Fruchtbarkeit erlangt werden, vorausgesetzt man wendet die Methode richtig an.

In den ersten 3 Monaten habe ich mir die Zyklusblätter von der NFP-Website ausgedruckt, um zu schauen ob die Methode anwendbar für mich ist. Als ich dann feststellte, dass meine Temperatur wenig schwankt und ich die Körpersymptome richtig deuten konnte, sattelte ich um auf die eigens von NFP entworfene App "nfp-mobile". Hier fiel mir die Methode dann noch etwas leichter, weil die App für den Anwender mitrechnet, die Fruchtbarkeitsphasen farblich hinterlegt und ein zusätzlicher Zugang zum Forum von weiteren NFP-Anwender*Innen existiert. Um euch vorweg darauf hinzuweisen: Die App ist nicht kostenlos, ich bezahle 11 € alle 3 Monate. ich finde diesen finanziellen Aufwand im Gegensatz zur Pille aber ziemlich geringwertig und kann vollkommen nachvollziehen, dass die Betreiber von NFP für die Bereitstellung und regelmäßige Aktualisierung der App eine Entschädigung fordern.


Wenn ihr mehr zu den Regeln der NFP Methode wissen wollt, holt euch gern das gleichnamige Buch sowie das passende Arbeitsheft dazu. Hier erfahrt ihr nochmal alles speziell auf euren Zyklus zugeschnitten und es werden alle offenen Fragezeichen geklärt-und wenn nicht tretet gerne dem Forum bei!


Fazit:

Ich rate jeder Frau dazu, sich mit der symptothermalen Methode auseinander zu setzen und sich eine vertrauensvolle, aufgeschlossene, kompetente Frauen*ärztin zu suchen, die auf hormonfreie Verhütungsmethoden hinweist. NFP hat natürlich genauso Grenzen wie andere Verhütungsmethoden, aber es tut 1. weder körperlich noch dem Geldbeutel weh und 2. gilt es die Methode auszutesten bevor man sie verleugnet.



 


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