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Exkurs: Müll als Exportgut?

Die für Deutschland veröffentlichten Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass 2016 rund 21 Millionen Tonnen nicht erklärungspflichtiger Abfall und rund 2,5 Millionen Tonnen erklärungspflichtiger Abfall aus Deutschland exportiert wurden. Ebenso zeigt sich, dass grenzüberschreitende Transporte vorwiegend zwischen Nachbarstaaten stattfinden und die Abfälle im Mittel unter 500 Kilometer vom Ort der Abfallentstehung entfernt entsorgt werden. Gebraucht- und Altfahrzeuge z.B. stellen in der Hinsicht ein großes Problem dar. Man sollte meinen, wenn unsere gebrauchten und alten Fahrzeuge in unserem Land nicht mehr der vorgegebenen Sicherheitsprüfung Unterligen oder einfach ausgedient haben, wäre es doch nachhaltig diese in osteuropäische Nachbarstaaten und später nach Westafrika zu exportieren, wo sie noch einige Jahre fahren können, weil sie nicht so strengen oder gar keinen Auflagen unterliegen. Leider gibt es aber in den osteuropäischen Staaten, sowie in Kasachstan und Westafrika (wo tendenziell ein Großteil unserer exportierten Fahrzeuge stattfindet), passend zu den abgeschwächten oder nicht vorhandenen Sicherheitsprüfungen, auch keine Regulierungen oder Kontrollen für die Entsorgung der KFZ-Teile.



Von den rund 3,1 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen aus Kunststoff wurden 2016, nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes 327.500 Tonnen, etwa 10,5 Prozent exportiert und dort verwertet. Nachdem 2018 China als der Hauptmitspieler im Export von deutschem Plastikmüll ein Import Verbot verhängte, gab das einen großen Aufschrei innerhalb der BRD. Zu den Beweggründen Deutschlands Plastikmüll nach China zu exportieren, füge ich hier ein Zitat von der Bundeszentrale der politischen Bildung ein, die es, wie ich finde, sehr auf den Punkt bringt: "Insgesamt muss festgehalten werden, dass Abfälle aus Deutschland nicht nach China exportiert wurden, um dort illegal entsorgt zu werden; sie wurden dorthin exportiert, weil chinesische Akteure bereit waren, einen höheren Preis für die Materialien zu zahlen als die deutsche Konkurrenz. Ein wesentlicher Faktor ist dabei das deutlich niedrigere Lohnniveau in China, welches eine händische Vorsortierung der Abfälle ermöglicht, die in Deutschland niemals rentabel wäre. Hinzu kommen die niedrigen Transportkosten: Da China sehr viele Produkte auf dem Seeweg nach Deutschland exportiert, müssen Container und Schiffe auch wieder in die entgegengesetzte Richtung bewegt werden – dabei können Abfälle für kleines Geld mitgenommen werden, ehe die Frachträume leer bleiben. Allerdings sind Chinas Umweltstandards nicht mit denen Deutschlands vergleichbar, das gilt sowohl für den Recyclingprozess selbst als auch für die Entsorgung der verbleibenden Sortierreste. In Deutschland werden diese einer hochwertigen thermischen Verwertung zugeführt; in China jedoch werden Sortierreste in der Regel ohne weitere Vorbehandlung entsorgt und tragen damit zur Vermüllung der Weltmeere bei, deren Ursprung überwiegend in China und weiteren südostasiatischen Staaten liegt." Schlechte Nachrichten für die Wirtschaft Deutschlands sollte man denken. Aber weitgefehlt. Deutschland machte auch 2018 nur 20%ige Einbußen im Export des Verpackungsmülls, vor allem weil andere Länder nun als Abnehmer in den Fokus rückten, wie z.B. die Türkei.

Mittlerweile werden Forderungen von Umweltaktivisten nach einer nationalen und effizienteren Verwertung der genannten Rohstoffe sowie eines regulierten Im- und Exports von Müll lauter. Darüber hinaus sollte als der Teil der globalen Lösung eine Förderung von Aus-und Weiterbildungsmaßnahmen der Nationen, die noch keinen kontrollierten und vor allem bewussten Umgang mit dem Müllkreislauf haben, stattfinden. Denn solange wie Bewohner Südostasiens kein Bewusstsein für die Konsequenzen einer unsachgemäßen Entsorgung von Müll haben, werden diese auch weiterhin Plastikmüll zur gesundheitsgefährdenden Benutzung von Brennbeschleuniger verwenden oder Plastiktüten im Meer entsorgen. (ich nutze diese Veranschaulichung lediglich als Beispiel das nicht als allgemeingültig hinzunehmen ist)


Mehr zu dem Thema findest du auf der Webseite der Bundeszentrale der politischen Bildung und des NABU.

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